Ins Glas geschaut ...
... und mit Gaumen und Zunge nachgeprüft
In dieser Rubrik biete ich kurze Informationen, Kommentare, Einschätzungen und Kritik zu Önologischem und Anverwandtem an.
Samstag, 1. November 2008 - 11:52 Uhr
Basler Weinmesse – Grenzenlose Beliebigkeiten
Wie jedes Jahr Ende Oktober/anfangs November gehört der Besuch der Basler Weinmesse zum Jahresprogramm. Es ist unübersehbar, daß jährlich noch ein paar Weinhändler mehr auf der Messe präsent sind. Aber sind damit auch ein paar Qualitätsweine mehr auf der Messe präsent?
Leider muß man diese Frage verneinen. Als Liebhaber und Sucher von guten Weinen (noch) ohne kommerziellen Namen verspricht man sich gerade von solchen Messen die Chance, Neues kennenzulernen und Überraschungen erleben zu dürfen. Doch das wird jährlich weniger.
Woran liegt es? Hat man selbst in jahrelanger Sucharbeit nun schon soviel hinter sich gebracht, daß es einfach nichts mehr Neues gäbe? Wohl kaum, denn jede Reise in weniger bekannte Gebiete eröffnet einem immer wieder neue Perspektiven.
Nein, ich denke, es liegt an kommerziellen Aspekten. Viele der Weinhändler, die sich an solchen Verbrauchermessen präsentieren, wollen mit süffigen, aber eigentlich uninteressanten Weinen mit bombastischen Etiketten eine möglichst dicke Marge erzielen. Leider.
Schlußfolgerung: Die Suche nach attraktiven, hochwertigen aber unbekannten Weinen bleibt weiterhin nur erfolgreich, wenn man das intensive Studium von Unterlagen auf sich nimmt und selbst die entsprechenden Weingebiete bereist.
Sonntag, 10. August 2008 - 16:58 Uhr
Angenehme Bestätigung
Die Internationale Weinprämierung Zürich 2008 hat ihre diesjährigen Ergebnisse aus der Weinprämierung vom 15. bis 18.07.2008 publiziert. Aus über 2'000 eingereichten Weinen haben es einige auf Spitzenplätze gebracht, die schon seit Jahren zu meinen Favoriten zählen. Insbesondere unter der Kategorie Beste Rotweine aus Frankreich finden sich:
> Château Val Joanis, «Les Griottes», Côtes du Lubéron AO 2004
> Château Les Ollieux Romanis, Cuvée Prestige, Languedoc-Roussillon AO 2005
> Château Villerambert-Moureau, «Cuvée Marbreries les Hautes», Languedoc-Roussillon AO 2005
Einträge zu Ch. Val Joanis finden sich auf dieser WebSite in der Rubrik Unbekannte Tropfen. Der Besuch von Ch. Les Ollieux Romanis ist auf der WebSite des Kochclubs Knoblauchzingge (www.knoblauchzingge.ch) vermerkt. Ch. Villerambert-Moureau habe ich vor einiger Zeit nach einer Degustation in der Schweiz auf meine Liste von zu besuchenden Languedoc-Roussillon-Betrieben genommen.
Donnerstag, 31. Juli 2008 - 09:23 Uhr
Wieder dabei
Von morgen, dem 1. August 2008 an bin ich auch wieder dabei!
Vor 25 Jahren habe ich damit begonnen, den Monat Juli strikte alkoholfrei zu durchleben. Das ist nicht nur für den Körper sehr gesund; es gibt einem die gute Gewißheit, daß man als Genießer und nicht als Gezwungener durchs Leben geht.
Und nun kommt noch ein Genießer-Extra hinzu: Jedes Jahr nutze ich die Gelegenheit, mich eingehend mit verschiedenen Mineralwassern auseinanderzusetzen, denn in einem alkoholfreien Monat schärfen sich die Sinne für die einfacheren Genüsse ganz automatisch. Bei den verschiedenen Mineralwassern sind immer langjährig erprobte und auch immer neue dabei. Diesmal war das neue Wasser das Roxanne. Das ist ein französisches Wasser, das aus dem Bassin de Vichy stammt. Diese Region ist bekannt für zahlreiche und erstaunlicherweise recht unterschiedliche Mineralwasser. Wer das Saint-Yorre aus dieser Gegend kennt, weiß, daß es sich dabei um ein recht salzig schmeckendes, mineralisch wirkendes Wasser handelt. Das Roxanne könnte man als Saint-Yorre light taxieren, bei dem das salzige Moment viel zurückhaltender ist als beim Original. Gerade dadurch hat dieses Wasser eine angenehme Frische.
Aber dennoch:
Ich freue mich auch auf den 1. August:
- als Schweizer auf den Bundesfeiertag
- und als Wein-Liebhaber auf eine neue Phase von Weingenuß.
Sonntag, 20. Mai 2007 - 15:45 Uhr
Dörflingers Chardonnay
Die Qualitätsweine aus dem Markgräfler Land (Südbaden, zwischen Freiburg i.Br. und Basel) sind auf steilem Kurs nach oben. Insbesondere die Weißweine. Gestern durfte ich bei Hansjörg Hechler in der Mühle Binzen eine weitere Kostprobe dieser guten Entwicklung genießen:
Chardonnay 2005
Hermann Dörflinger
Müllheimer Reggenhag
Spätlese Trocken
im Barrique gereift
14 Volumenprozent
Was Dörflinger mit diesem Chardonnay aus der Müllheimer Spitzenlage hervorzaubert, ist fast phänomenal. Bei einer Blinddegustation wäre mit Sicherheit niemand auf das Markgräfler Land gekommen. Man hätte diesen wunderbaren Tropfen wohl dem südlichen Burgund (Meursault, Montrachet) zugeordnet. Fein und klar in der Nase; schönes Goldgelb im Glas; Fülle im Gaumen, doch ohne oppulent zu wirken; elegante Säure; starke Struktur, nicht zuletzt durch den dosierten Barrique-Ausbau; enorm langer Abgang für einen Weißwein – und bei alledem keiner dieser Allerwelts-Chardonnay, die einem von Kalifornien bis nach Oberitalien langsam nachlaufen.
Gratulation an das Weingut Dörflinger.
Montag, 9. April 2007 - 12:43 Uhr
Osterglück aus Bordeaux

Was paßt zu einem schönen, mit Sorgfalt gegarten Gitzi-Schlegel??
Etwas Robusteres und zugleich doch etwas Feines. Was gibt es da noch im Keller, das ohnehin allmählich getrunken sein sollte?
Die Suche war von Erfolg gekrönt: es fand sich noch eine Flasche
Cos d'Estournel 1986. Wahres Osterglück.
Dieser Saint-Estèphe, als 2ème Grand cru classé eingestuft, gehört heute zu den allerersten Bordeaux-Weinen. Der Jahrgang 1986 – anfänglich verkannt – entwickelte sich später zu einem wahren Spitzenjahrgang mit einer äußersten Langlebigkeit, was sich beim Osterglück bestätigte. Diamantklar, ohne den kleinsten Anflug von Altersorange, prächtig im Bouquet und von vollendeter Harmonie im Gaumen. Herrlich gebundene Tannine, die große Struktur vom Cabernet-Sauvignon und die weinige Frucht vom Merlot. Ein unendlich langer Abgang ließ den Genuß vollkommen werden.
Wohl dem, der noch Cos d'Estournel 1986 in seinem Keller weiß – un vin immense et grandiose, wie das Château Cos d'Estournel diesen Jahrgang selbst beurteilt.


