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Oberwiler und Fürstbischöfler


Im Gedenken an Josef Baumann, Oberwils Dorfhistoriker

Im September 2011 schloß sich im hohen Alter von über 92 Jahren der Lebenskreis von Josef Baumann-Degen. Er blieb zeit seines Lebens der Gemeinde seiner Kindheit und Jugendzeit eng verbunden. Er war nicht nur stolz auf seine Heimatgemeinde, er war auch aus dieser tiefen Verbundenheit heraus über lange Jahre unser Dorfhistoriker. Nach der Schulzeit in Oberwil und in der Bezirksschule Therwil lernte er Schriftsetzer. Doch das genügte dem wachen jungen Mann nicht. Er konnte am Kollegium Schwyz 1942 die Matura in der altphilologischen Richtung erwerben. Anschließend studierte er in Basel und Freiburg Geschichte und Philologie. Von 1939 bis 1945 wurde diese Ausbildung immer wieder durch Rekrutenschule, Unteroffiziersschule und vorallem durch Aktivdienste unterbrochen. Deshalb konnte der Verstorbene erst im Jahre 1947 sein Studium mit dem Mittellehrerdiplom abschließen. Nach verschiedenen Vikariaten fand er dann an der damaligen Realschule und dem Progymnasium Muttenz eine Anstellung.

Kurz danach, im Jahre 1949, verheiratete sich Josef Baumann mit der Oberwilerin Hedy Degen – natürlich in der Kirche St. Peter und Paul zu Oberwil. Der lebenslangen Ehe entsprossen fünf Kinder und sieben Großkinder. Das junge Ehepaar, das bereits 1951 ein Eigenheim beziehen konnte, fand dann rasch seinen Lebensmittelpunkt in Muttenz. Josef Baumanns Mitgliedschaft in der Muttenzer Gemeindekommission und die Wahl in weitere Ämter in Muttenz belegen das. Doch seine wichtigste und für ihn erfüllendste Aufgabe war die Leitung der heutigen Sekundarschule Muttenz, der er von 1962 bis 1976 als Rektor vorstand. Neben all diesen Tätigkeiten engagierte sich der Verstorbene in der Römisch-Katholischen Kirche, der er über dreißig Jahre im Landeskirchenrat diente, von 1969 bis 1985 als Präsident.

Als Historiker befaßte er sich immer eingehend mit seiner Heimatgemeinde Oberwil und auch mit der elsässischen Nachbargemeinde Neuwiller. Als junger Gemeinderat durfte ich das Projekt einer Oberwiler Heimatkunde begleiten und auch mitgestalten. Josef Baumann konnte für dieses Vorhaben als Hauptredaktor gewonnen werden und hat dafür Enormes geleistet. Auch in den folgenden Jahren durfte ich als Gemeindepräsident immer auf seinen fundierten historischen Rat zählen, was ich insbesondere bei den Feierlichkeiten zu "900 Jahre Oberwil" sehr gerne in Anspruch genommen hatte.

Das Interesse des Historikers konzentrierte sich aber nicht nur auf seine Heimatgemeinde. Als Mitglied der Kantonalen Arbeitsgemeinschaft zur Herausgabe von Baselbieter Heimatkunden begleitete er viele Heimatkunden im Baselbiet. Und als Mitglied der Planungskommission für die neue Baselbieter Geschichte leistete er wichtige Beiträge zu einem wiederbelebten historischen Bewußtsein im Kanton und in der Region. Seine besondere Liebe galt jedoch der Erforschung der Geschichte des Fürstbistums Basel, also des weltlichen Herrschaftsbereiches der Basler Bischöfe. Josef Baumann gehörte zu den wenigen gründlichen Kennern dieser rund 800-jährigen Geschichte, in die auch Oberwil eingebunden ist.

Unzählige Menschen durften von der Schaffenskraft von Josef Baumann profitieren. Generationen von Schülerinnen und Schülern in Muttenz haben im Verstorbenen weit mehr als einen Lehrer gehabt; sie erlebten einen Freund und Berater, der ihnen wahre Menschlichkeit vermittelte. Bei all meinen Kontakten mit Josef Baumann durfte ich eine feinsinnige, kulturell und vor allem historisch äußerst gebildete Persönlichkeit erleben. Dafür bin ich ihm persönlich sehr dankbar – und wir Oberwilerinnen und Oberwiler haben ihm auch viel zu danken.

Samstag, 8. Oktober 2011


(publiziert im BiBo vom 13.10.2011)